Temporäre Velozählungen: Welche Technologien liefern verlässliche Mobilitätsdaten?

Der Veloverkehr gewinnt in vielen Schweizer Städten und Gemeinden zunehmend an Bedeutung. Neue Velowege, Verkehrsberuhigungen oder Anpassungen im Strassenraum sollen nachhaltige Mobilität fördern. Doch eine zentrale Frage bleibt oft unbeantwortet: Wie stark werden diese Infrastrukturen tatsächlich genutzt?

Die Grundlage für fundierte Entscheidungen sind verlässliche Verkehrsdaten. Genau hier kommen Velozählungen ins Spiel. Sie liefern objektive Zahlen zum Veloverkehr und helfen den Verwaltungen, Investitionen gezielt zu planen.

Doch nicht jedes Zählsystem liefert in jeder Situation die gleiche Qualität an Daten. Wir haben 4 Technologien parallel in einem Vergleich an zwei Standorten über mehrere Tage getestet. Dieser Vergleich zeigt, wo die Stärken und Schwächen liegen und hilft uns bei der Planung künftiger Einsätze.

Warum Velozählungen für die Verkehrsplanung immer wichtiger werden

In der Mobilitätsplanung gewinnen datenbasierte Entscheidungen zunehmend an Bedeutung. Gerade im Veloverkehr fehlen jedoch oft belastbare Zahlen.

Typische Fragen von Tiefbauämtern und Mobilitätsfachstellen sind:

  • Wie stark wird ein Veloweg genutzt?
  • Welche Routen sind besonders relevant?
  • Wie verändert sich der Verkehr nach einer baulichen Massnahme?
  • Wo lohnt sich ein Ausbau der Infrastruktur?

Ohne zuverlässige Datengrundlage bleiben solche Entscheidungen häufig unsicher. Velozählungen schaffen hier Transparenz.

Sie ermöglichen unter anderem:

  • Monitoring von Veloverkehrsstrategien
  • Evaluation neuer Infrastruktur
  • Priorisierung von Investitionen
  • Vergleich von Verkehrsströmen über mehrere Jahre

Besonders wertvoll sind temporäre Zählsysteme, die flexibel an unterschiedlichen Standorten eingesetzt werden können.

Technologien für Velozählungen im Vergleich

Für die Erfassung des Veloverkehrs stehen heute verschiedene Technologien zur Verfügung. In einem Vergleichstest haben wir mehrere Systeme parallel eingesetzt und deren Resultate miteinander verglichen.

Die getesteten Systeme decken die wichtigsten technischen Ansätze ab:

1. Pneumatische Druckschläuche

Diese mobilen Systeme werden auf der Fahrbahn montiert. Beim Überfahren erzeugen Velos einen Druckimpuls, der vom Gerät registriert wird.

Vorteile:

  • einfache Installation an Standorten mit wenig Verkehr
  • gut geeignet für temporäre Zählungen, auch über mehrere Wochen
  • vergleichsweise kostengünstige Geräte
  • kann im Mischverkehr eingesetzt werden

Herausforderung:

  • Unterscheidung verschiedener Verkehrsteilnehmender kann schwierig sein, insbesondere bei solchen mit Rädern
  • die Installation an Standorten mit viel Verkehr ist aufwändig
  • ein Einsatz bei über 50 km/h des motorisierten Verkehrs bringt Probleme

2. Kamerabasierte Systeme mit KI-Auswertung

Moderne Kamerasysteme erkennen Verkehrsteilnehmende mit Hilfe von Bildanalyse und künstlicher Intelligenz. Die Auswertung erfolgt direkt in der Kamera oder nachträglich durch spezialisierte Software.

Vorteile:

  • Unterscheidung verschiedener Verkehrsteilnehmender möglich
  • detaillierte Datenauswertung
  • flexible Konfiguration
  • sehr einfache Installation

Herausforderungen:

  • höhere Systemkosten
  • abhängig von Standort, Blickwinkel und Umgebungsbedingungen
  • Akku hält rund eine Woche

3. Permanent installierte Sensorsysteme

Es gibt verschiedenste Arten von fest installierten Systemen mit optischer, druckbasierter oder induktiver Erfassung. In unserem Test kam ein System zum Einsatz, bei dem Lichtwellenleiter in einer Gummilippe im Belag eingegossen sind. Diese detektieren Überfahrten durch Verformung. Diese Systeme liefern langfristige Daten zum Veloverkehr und können als Referenzstationen dienen.

Vorteile:

  • langfristiges Monitoring
  • robuste Infrastruktur
  • stabile Datenreihen

Herausforderungen:

  • hoher Installationsaufwand
  • weniger flexibel bei Standortwechseln
  • teilweise nicht für Mischverkehr geeignet

Wie genau sind Velozählungen in der Praxis?

Der Vergleich mehrerer Zählsysteme zeigt: Die meisten Technologien liefern grundsätzlich vergleichbare Ergebnisse.

Über mehrere Tage hinweg lagen die Abweichungen zwischen verschiedenen Systemen teilweise nur bei wenigen Prozent. Die generelle Genauigkeit moderner Systeme liegt häufig bei über 90 Prozent.

Trotzdem können in einzelnen Situationen grössere Unterschiede auftreten.

Besonders kritisch sind:

  • gemischte Verkehrsflächen mit Fussverkehr, Velos und Mikromobilität
  • Pulks von Velos, die gleichzeitig eine Zählstelle passieren
  • ähnliche Silhouetten bei optischen Systemen, etwa Kinderwagen oder Kickboards

Unsere Vergleichszählungen ergaben, dass der Verkehrsmix an der Zählstelle ein sehr relevanter Faktor für die Genauigkeit ist. Je mehr unterschiedliche Verkehrsteilnehmende eine Strecke nutzen, desto grösser wird das Risiko von Fehlklassifikationen.

Auf Stundenbasis können dadurch relativ grosse Abweichungen entstehen. Über einen ganzen Tag betrachtet, gleichen sich diese Unterschiede jedoch häufig wieder aus. Es findet tendenziell eine Überschätzung des Veloverkehrs um einige Prozent statt.


Welche Faktoren beeinflussen die Genauigkeit von Velozählungen?

Die Qualität der Daten hängt nicht nur von der Technologie ab. Ebenso entscheidend sind Standortwahl und Zählstrategie.

Wichtige Faktoren sind:

Verkehrsmix

Bei reinem Veloverkehr ist die Genauigkeit besonders hoch. In gemischten Verkehrsflächen mit Fussverkehr, Kickboards oder Kinderwagen steigt die Fehlerquote.

Positionierung der Geräte

Gerade bei Kamerasystemen beeinflussen Winkel, Sichtfeld und Umgebung die Qualität der Auswertung.

Wahl des Systems

Abhängig von der Situation ist das passende System zu wählen. Dabei spielen räumliche Verhältnisse, der Verkehr wie auch Befestigungsmöglichkeiten eine Rolle.

Konfiguration des Systems

Die Geräte müssen für die spezifische Situation konfiguriert werden. Einige Geräte lassen sich auf unterschiedliche Verkehrssituationen einstellen, etwa für reinen Veloverkehr oder gemischte Nutzung. Bei anderen müssen verschiedene Parameter angepasst werden.

Interpretation der Daten

Automatische Zählungen sollten immer im Kontext der lokalen Situation interpretiert werden. Eine ergänzende Sichtkontrolle vor Ort hilft dabei, die Ergebnisse richtig einzuordnen.


Temporäre Velozählungen als Grundlage für Monitoring und Planung

Gerade für Städte und Gemeinden sind mobile Zählungen ein wertvolles Instrument.

Sie ermöglichen:

  • schnelle Datenerhebung an neuen Standorten
  • Vergleich verschiedener Strecken
  • Monitoring von baulichen Veränderungen
  • Ergänzung bestehender Dauerzählstellen

Besonders sinnvoll ist eine Kombination aus:

  • temporären Zählungen
  • permanenten Zählstellen
  • ergänzender Datenanalyse beispielsweise aus Crowddaten wie Cyclomania, Strava oder anderen Datenquellen

So entsteht ein robustes Monitoring des Veloverkehrs, das langfristige Entwicklungen sichtbar macht.


Fazit: Gute Mobilitätsplanung braucht gute Daten

Velozählungen liefern eine zentrale Grundlage für die Planung nachhaltiger Mobilität. Moderne Zählsysteme ermöglichen heute eine zuverlässige Erfassung des Veloverkehrs und liefern wertvolle Erkenntnisse für Infrastrukturprojekte.

Entscheidend für belastbare Resultate sind jedoch nicht nur die Geräte selbst, sondern auch eine durchdachte Zählstrategie, geeignete Standorte und eine sorgfältige Datenanalyse.

Wer Veloverkehr gezielt fördern will, sollte daher auf eine professionelle Datenerhebung und Auswertung setzen.


Beratung zu Velozählungen und Mobilitätsdaten

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Wir unterstützen Sie bei:

  • Erstellen von Erhebungskonzepten oder Zählstellenkonzepten
  • Datenerhebung im Fuss- und Veloverkehr
  • temporären Velozählungen
  • Monitoring von Mobilitätsprojekten
  • Datenanalyse und Interpretation der Ergebnisse

Mit der richtigen Technologie und einer passenden Zählstrategie entstehen belastbare Entscheidungsgrundlagen für eine nachhaltige Mobilitätsplanung.

Kontaktieren Sie uns gerne für eine unverbindliche Beratung.