Wie entwickelt sich der Veloverkehr wirklich? Welche Investitionen in das Velonetz zeigen Wirkung? Und wo besteht weiterer Handlungsbedarf? Ohne belastbare Daten bleiben diese Fragen oft unbeantwortet. Genau hier setzen professionelle Velozählungen und ein strategisch geplantes Velozählstellenkonzept an.
Ein flächendeckendes Verkehrsmonitoring liefert die Grundlage für fundierte Entscheidungen in der Verkehrsplanung. Statt auf Einzelbeobachtungen oder Vermutungen zu bauen, erhalten Gemeinden und Kantone belastbare Kennzahlen über die Nutzung ihres Velonetzes und können Massnahmen gezielt evaluieren.
Velozählungen sind mehr als einzelne Messpunkte
In vielen Regionen existieren bereits Velozählungen. Häufig befinden sich diese jedoch an touristisch geprägten Standorten oder entlang einzelner stark frequentierter Routen. Für ein umfassendes Verkehrsmonitoring reichen solche Einzelstandorte jedoch nicht aus.
Ein modernes Velozählstellenkonzept verfolgt einen anderen Ansatz. Es definiert ein abgestimmtes Netz von Zählstellen, das unterschiedliche Raumtypen und Verkehrsfunktionen berücksichtigt. Dazu gehören urbane Zentren ebenso wie ländliche Gebiete, Alltagsverbindungen ebenso wie Freizeitachsen.
Nur wenn die Zählstellen sorgfältig ausgewählt werden und auf den Velonetzplan abgestimmt sind, entsteht ein realistisches Bild über die Entwicklung des Veloverkehrs.
Ein Velozählstellenkonzept als Grundlage für langfristiges Monitoring
Die Planung eines Zählstellennetzes erfordert weit mehr als die Auswahl geeigneter Standorte. Entscheidend ist die Frage, welche Aussagen das Monitoring künftig ermöglichen soll.
Ein gutes Konzept berücksichtigt unter anderem:
- die Ziele der Zählungen
- die Struktur des Velonetzes
- unterschiedliche Nutzungsschwerpunkte
- regionale Besonderheiten
- bestehende Datenquellen
- zukünftige Ausbauprojekte
- die Vergleichbarkeit der Daten über viele Jahre
Dadurch entsteht ein Monitoring-System, das Veränderungen im Verkehrsaufkommen nachvollziehbar dokumentiert und den Erfolg von Infrastrukturmassnahmen messbar macht.
Praxisbeispiel: Ein kantonsweites Velozählstellenkonzept für den Kanton Thurgau
Ein aktuelles Beispiel zeigt den Mehrwert einer systematischen Planung. analyGIS hat für den Kanton Thurgau ein umfassendes Velozählstellenkonzept entwickelt.
Das Konzept umfasst insgesamt 45 permanente Zählstellen, die über den gesamten Kanton verteilt sind. Die Standorte decken sowohl städtische als auch ländliche Räume ab und wurden gezielt auf das offizielle Velonetz abgestimmt.
Während bisher vor allem touristisch geprägte Zählstellen vorhanden waren, ermöglicht das neue Konzept erstmals ein flächendeckendes Monitoring des Veloverkehrs. Der Kanton setzt das geplante Netz nun schrittweise um und wird damit zu den Kantonen mit einem besonders dichten Netz an Velozählungen gehören.
Für die Verkehrsplanung bedeutet dies einen grossen Fortschritt. Entwicklungen können regional differenziert beobachtet und Investitionen in das Velonetz anhand objektiver Daten beurteilt werden.
Permanente und mobile Verkehrszählungen sinnvoll kombinieren
Ein leistungsfähiges Verkehrsmonitoring endet nicht bei festen Messstationen. Mobile respektive periodische Verkehrszählungen ergänzen permanente Velozählungen ideal.
Sie können beispielsweise auf Parallelachsen oder an temporär relevanten Standorten eingesetzt werden. Dadurch lassen sich Verkehrsverlagerungen erkennen, neue Infrastrukturprojekte evaluieren oder Fragestellungen untersuchen, die über das permanente Netz hinausgehen.
Die Kombination aus dauerhaft installierten Zählstellen und gezielt eingesetzten mobilen Verkehrszählungen schafft eine flexible und gleichzeitig belastbare Datengrundlage.
Daten schaffen Transparenz für Politik und Verwaltung
Die Anforderungen an Gemeinden und Kantone steigen kontinuierlich. Förderprogramme, Velonetzplanungen und Investitionen sollen nachvollziehbar begründet werden. Gleichzeitig wächst das Bedürfnis, die Wirkung umgesetzter Massnahmen transparent nachzuweisen.
Ein professionell aufgebautes Monitoring unterstützt dabei, indem es:
- Trends im Veloverkehr sichtbar macht,
- saisonale und langfristige Entwicklungen dokumentiert,
- die Wirkung von Infrastrukturprojekten überprüft,
- Prioritäten für zukünftige Investitionen liefert und
- politische Entscheide mit objektiven Fakten untermauert.
Damit werden Velozählungen zu einem wichtigen Instrument für die nachhaltige Verkehrsplanung.
Das Velozählstellenkonzept muss zum Velonetz passen
Die Qualität eines Monitorings hängt wesentlich von der Auswahl der Standorte ab. Werden Zählstellen isoliert geplant, besteht die Gefahr, dass wichtige beispielsweise regionale Entwicklungen unentdeckt bleiben oder Ergebnisse falsch interpretiert werden.
Deshalb sollte ein Velozählstellenkonzept immer in engem Zusammenhang mit dem Velonetzplan entwickelt werden. Erst die Verknüpfung von Netzstruktur, Verkehrsströmen und geeigneten Zählstandorten ermöglicht aussagekräftige Analysen und langfristig vergleichbare Daten.
Fazit
Velozählungen liefern weit mehr als einfache Verkehrszahlen. Richtig geplant bilden sie die Grundlage für ein modernes Verkehrsmonitoring und schaffen eine verlässliche Basis für strategische Entscheidungen in Gemeinden und Kantonen.
Das Beispiel des Kantons Thurgau zeigt, welchen Mehrwert ein systematisch entwickeltes Velozählstellenkonzept bietet. Mit einem auf das Velonetz abgestimmten Netz permanenter Zählstellen und ergänzenden mobilen Verkehrszählungen entsteht ein differenziertes Bild des Veloverkehrs und seiner Entwicklung.
Wer den Ausbau des Velonetzes gezielt steuern und dessen Wirkung nachvollziehbar belegen möchte, benötigt belastbare Daten statt Annahmen.
Sie planen ein Velozählstellenkonzept oder möchten den Veloverkehr systematisch erfassen?
analyGIS unterstützt Kantone und Gemeinden bei der Entwicklung massgeschneiderter Velozählstellenkonzepte, der Planung permanenter Zählstellen sowie bei mobilen Verkehrszählungen. Gemeinsam schaffen wir die Datengrundlage für fundierte Entscheidungen und eine nachhaltige Mobilitätsplanung.
